BIODIVERSITY – Ein Projekt

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Ein gemeinsames Projekt von Naturschützern und Winzern hat Konzepte für den Öko-Weinbau weiter entwickelt und zeigt, dass Biowinzer weit über Weinberge und Keller hinausdenken und Inseln der Artenvielfalt in der Agrarsteppe schaffen.

Seit 1985 macht sich der Anbauverband ECOVIN  mit wachsendem Erfolg für den ökologischen Weinbau stark. Aktuell bewirtschaften 250 Mitgliedsbetriebe rund 1.900 Hektar Rebfläche. Entscheidend dabei ist die Ökologisierung der Flächen: Der Verzicht auf Gifte und Chemiedünger, die schon bei der Produktion Umweltauswirkungen haben, das Bodenleben zerstören, Gewässer und Atmosphäre belasten, bleibt der erste Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Ökoweinbau bedeutet aber  mehr, denn die Winzer lernen, das Ökosystem Weinberg neu zu verstehen und blicken weit über die eigene Scholle hinaus. „So entstehen in ausgeräumten und lebensfeindlichen Agrarlandschaften Inseln der Artenvielfalt“ sagt Dr.  Thomas Schaefer, Leiter für Naturschutz beim Global Nature Fund. Winzer blicken bezüglich Biodiversität und Klimawandel weit voraus und seien eine Avantgarde in Europas nachhaltiger Landwirtschaft. Seit heute steht den Weinbaubetrieben bei ECOVIN ein Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsprogramm mit 71 Parametern zur Verfügung. „Damit können Winzer ihre Aktivitäten strategisch planen, zielgerichtet umsetzen und den Kunden kommunizieren“ fasst Dr. Kerstin Fröhle, Projektleiterin bei der Bodensee-Stiftung, die Ergebnisse zusammen.

Biodiversity-Check  im Bio-Weinbau
Das Projekt „Naturschutz und Biodiversitätserhalt als CSR-Aufgabe im Mittelstand“ wird im Rahmen des Programmes „CSR im Mittelstand“ des Bundeministeriums für Arbeit und Soziales durchgeführt. Mit einem branchenangepassten Biodiversity-Check wurden in 30 Betrieben ökologische Strukturen und das Artenspektrum im Weinberg erfasst; Düngung, Pflanzenschutz und Maschineneinsatz wurden  analysiert und  Zulieferketten der Betriebsmittel auf weltweite Umweltauswirkungen untersucht. Schließlich wurden Energie- und Wasserverbrauch, die Behandlung von Abwässern, das Müllaufkommen, der Einsatz erneuerbarer Energien und die Gebäudestruktur erfasst.

Erneuerbare Energien, Kork und Glas – Der Blick aufs Ganze für Klimaschutz und Biodiversitätserhalt
Vielen Biowinzern ist es zu selbstverständlich, über ihre Leistungen zu informieren. Schade, denn Fahrwegeoptimierung, möglichst klimaneutrale Logistik und die Nutzung innovativer Energiekonzepte sind Standard. Biowinzer verzichten auf jegliche Stoffe, bei denen Gefährdungen von Umwelt und Natur unklar sind.  Die Einsatzmöglichkeiten  von Leichtglas- und Recyclingflaschen,  Bag in Box und Pfandsystemen werden getestet und Erfahrungen ausgetauscht. „Der Wein verkauft sich im Regal leider oft über das Gewicht der Flasche“, erläutert ECOVIN Geschäftsführer Ralph Dejas. Ein hohes Flaschengewicht werde irrtümlich mit hoher Qualität gleichgesetzt. Beispiel für ein weiteres Arbeitsfeld ist der Flaschenverschluss. Der wachsende Einsatz von Alu-Schraubverschlüssen im Weinbau allgemein entzieht den Korkeichenbauern in Portugal die Wirtschaftsgrundlage. Lebensräume für Kaiseradler und Pardelluchs werden gefährdet, und viele Ökowinzer setzen nach wie vor auf Kork.

Quelle: Ecovin